„Hilfepunkte für Kids“ wissenschaftlich geprüft

Netzwerk für Kinderschutz zeigt Erfolg – Verbesserungen sind in Arbeit!

Christoph Stork, Verena Klebolte, Landrat Manfred Müller, Marco de Luca und Carlos Tomé präsentieren die „Hilfepunkt-Studie“.

 

(ik) Seit dem Sommer 2009 gibt es sie im Kreis Paderborn – die „Hilfepunkte für Kids“, die Kindern im Notfall Hilfe und Beistand geben. Mittlerweile ist das Hilfe-Netzwerk auf über 550 Geschäfte, Arztpraxen, Banken, öffentliche Einrichtungen und gastronomische Betriebe angewachsen. Sie alle haben sich bereit erklärt, Kindern zu helfen und zeigen ihre Hilfsbereitschaft mit dem bunten Aufkleber „Hilfepunkt für Kids“. Das Schild in den Schaufenstern oder an den Eingangstüren signalisiert: „Hier bist Du sicher. Hier bekommst Du Hilfe und Schutz.“ So wird den Kindern eine Anlaufstelle geboten, an der sie Beistand in unterschiedlicher Form erhalten können: ein Pflaster, wenn das Knie aufgeschürft ist, tröstende Worte, ein Glas Wasser oder einen Telefonanruf zu den Eltern, Schutz bei Belästigungen, Bedrohungen oder Angriffen. Eine aktuelle Studie der Katholischen Hochschule Paderborn überprüfte jetzt die Aktion auf ihre Wirksamkeit und stellt sie auf den Prüfstand: Kennen Kinder die Hilfepunkte überhaupt? Bekommen sie im Notfall tatsächlich angemessene Hilfe? Was kann noch verbessert werden?

Vor vier Jahren hatten zwei Studierende der Katholischen Hochschule Paderborn die Hilfepunkt-Idee. Dann entwickelte sich unter der Federführung des „Präventionsrats gegen Gewalt“ schnell ein Kooperationsbündnis aus  Stadt- und Kreisjugendamt, dem Caritasverband und der Kreispolizeibehörde. Der „Präventionsrat gegen Gewalt  des Kreises Paderborn“ und die Jugendhilfeausschüsse von Stadt und Kreis stellten Finanzmittel zur Verfügung.  Der Caritasverband und die Jugendämter übernahmen im jährlichen Wechsel die Projektleitung und passten die  Ursprungsidee aktuellen Um-ständen an, brachten moderne Elemente ein, betrieben unermüdlich Hilfepartner- Akquise und zogen die Aktion ins öffentliche Bewusstsein. Dabei war schon 2009 allen Beteiligten klar, dass eine wissenschaftliche Evaluation unverzichtbar ist. Landrat Manfred Müller, der Vorsitzende des „Präventionsrats  gegen Gewalt“ und Schirmherr der Aktion: „Unser Ziel war und ist es, die Sicherheit der Kinder im Kreis Paderborn zu verbessern, Zivilcourage und soziales Klima zu fördern sowie Kinder in ihren Sorgen und Nöten  ernst zu nehmen. Kinder sollen erfahren, dass sie sich trauen können, um Hilfe zu bitten. Die Evaluation soll uns  jetzt Erkenntnisse bringen, ob wir mit der Aktion auf dem richtigen Weg sind und wie wir noch besser werden  können.“ Verena Klebolte, Studentin an der Katholischen Hochschule Paderborn, hat sich im Rahmen ihrer  Bachelorthesis des Themas angenommen, seit dem Sommer 2012 alle Hilfepunkt-Partner um die Beantwortung  eines Fragebogens ersucht und etliche Kinder interviewt.

Immerhin haben sich 180 (34,6 %) der Hilfepunkt- Partner an der Befragung beteiligt, was einer vergleichsweise hohen Rücklaufquote entspricht. 50 Kinder aus zwei Kindertagesstätten und zwei Grundschulen im Kreis- und Stadtgebiet Paderborn beantworteten die Fragen der  Studentin. 88 % dieser Kinder kennen die Bedeutung der „Hilfepunkte für Kids“ und 78 % kennen Hilfepunkte in  ihrer Nähe oder auf dem Schulweg. 18 Hilfepunkt-Partner (10 % der 180 Antwort gebenden Partner) haben bereits  ein oder mehrmals 36 Kindern bei 23 Vorfällen Hilfe geleistet. Sieben Kinder, die bei einem Hilfepunkt um Hilfe  gefragt haben, hatten einen Unfall, vier Kinder hatten ihre Eltern verloren. Weitere vier Kinder haben den Hilfepunkt aufgrund kleinerer Notlagen wie beispielsweise Benutzung der Toilette oder das Tätigen eines Telefonanrufs aufgesucht. Zwei Kinder waren von Jugendlichen beschimpft oder verfolgt worden und zwei Kinder hatten den Bus  verpasst. Ein Kind wollte dem Hilfepunkt-Partner aus der Schule erzählen, ein Kind brauchte Schutz vor  Aggressionen und ein weiteres Kind hatte Angst nach der Zeugnisvergabe. Je nach Konfliktsituation wurde  unterschiedlich gehandelt, indem die Eltern informiert oder Erste Hilfe geleistet wurde. Dabei diente knapp 80 %  der Hilfepunkt-Partner die von der Projektleitung zur Verfügung gestellte Handlungsanweisung. 15 der befragten  Kinder – das sind 30 % - gaben an, schon einmal in einer Situation gewesen zu sein, in der sie um Hilfe gebeten  hatten. Elf der 15 Kinder und somit fast dreiviertel von ihnen hatten sich verletzt, drei Kinder waren verfolgt worden  und ein Kind hatte seine Begleitperson verloren. Auch wenn lediglich fünf dieser Kinder gezielt bei einem „Hilfepunkt für Kids“ um Hilfe gebeten hatten, war ihnen die Hilfepunkt-Aktion bekannt und sie handelten in dem  Bewusstsein, in einem  Geschäft um Hilfe bitten zu können und Hilfe zu bekommen. So vermutet Verena Klebolte in ihrer Studie, dass die allgemeine Aufklärungssituation die Kinder zum Hilfe fordern ermutigt hat. 83 % der  befragten Kinder wünschen sich von Hilfepunkt-Partnern im Notfall einen Anruf bei den Eltern. Auch die „Ärztliche  Versorgung“ halten sie für sehr wichtig und für jedes fünfte Kind sind Zuspruch und Trost von hoher Bedeutung.

Für die Hilfepunkt-Partner sollte dies Ansporn sein, auf die Kinder einzugehen und ihnen Zuwendung zu geben,  um ihnen in der Not- und Konfliktsituation angemessen zur Seite stehen zu können. Zum weiteren Gelingen der  Aktion sollen demnächst neue Elemente beitragen: eine „Hilfepunkt-Landkarte“, intensive Aufklärung in  Kindertagesstätten und Grundschulen, „Notfall-Cards“, auf denen Kinder die amtlichen Notrufe 110 und 112 sowie  persönliche Notrufnummern von Angehörigen und Bekannten vermerken können. „Die Erkenntnisse aus der Studie  eben uns ganz wichtige Verbesserungshinweise und bestärken uns in unserer Vorgehensweise, denn  Kinder und Jugendliche müssen sich darauf verlassen können, in Konfliktsituationen Hilfe zu erfahren“, so Landrat Müller und bittet: „Beteiligen Sie sich am Gelingen der „Hilfepunkte für Kids“ als Partner, aber auch als Eltern,  Erzieherinnen und Lehrer. Informieren Sie die Kinder, zeigen Sie ihnen die Hilfepunkte und geben Sie Kindern Hilfe immer und überall.“

 

Vorstellung der Evaluationsergebnisse im Detail (PDF)

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